Das Modellprojekt „Qualifizierung Geflüchteter zu Triebfahrzeugführern“, welches vor einem Jahr initiiert wurde und im Oktober 2019 mit der ersten Gruppe anlief, macht gute Fortschritte. Bei seinem Besuch informierte sich der baden-württembergische Verkehrsminister Winfred Herman (MdL) über die Fortschritte der 15 Teilnehmenden und äußerte sich positiv überrascht: dass in den wenigen Monaten erworbene technische Know-how sei beeindruckend. Die Qualifizierung ermögliche eine berufliche Perspektive und stelle einen sicheren Arbeitsplatz in einem Eisenbahnverkehrsunternehmen in Aussicht, während der Regionalverkehr gleichzeitig neue Fachkräfte gewinne.

Alle Teilnehmenden haben inzwischen die theoretischen Prüfungen bestanden und sind nun dabei, in den praktischen Teil der Umschulung im Fahrsimulator und auf Schulungsfahrten einzusteigen. Dabei werden sie zusätzlich von einem Integrationscoach unterstützt, der den Auszubildenden als Vertrauensperson zur Seite steht, bei Verständigungsschwierigkeiten hilft und sie bei administrativen Vorgängen unterstützt.
Begleitet wird das Projekt vom baden-württembergischen Verkehrsministerium und der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, welche die Lehrgangskosten und auch einen Teil der Lohnkosten trägt. Der größte Teil der Ausbildung findet in Mannheim bei der MEV Eisenbahn-Verkehrsgesellschaft mbH statt, die Azubis kommen hingegen von verschiedenen EVU’s aus dem Regionalcluster Karlsruhe/Mannheim. Dazu gehören neben der MEV auch die Albtal Verkehrs Gesellschaft mbH, Go-Ahead und Abellio Rail Baden-Württemberg GmbH.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Bewerberinnen und Bewerber sind gute Sprechkenntnisse. Für das Projekt werden Deutschkenntnisse auf B2-Niveau vorausgesetzt, um dem Unterricht folgen zu können, das notwendige Fachvokabular zu erlernen und später im Berufsleben mit Fahrgästen, Kollegen und der Leitstelle auch über Funk kommunizieren zu können.

AVG-Geschäftsführer Dr. Alexander Pischon sieht sich in der Entscheidung bestätigt, sich an dem Modellprojekt zu beteiligen. Er freue sich über die Motivation der Teilnehmenden, den Beruf des Triebfahrzeugführers zu erlernen. Gleichzeitig übernehme die AVG als ein kommunales Unternehmen gerne die soziale Verantwortung der Integration von Menschen, die vor Krieg, Terror oder politischer Verfolgung geflohen sind. Darüber hinaus benötigen die ÖPNV in naher Zukunft Fachkräfte, um den steigenden Mobilitäts- und Personalbedarf zu decken.

Weitere Projekte

Aber nicht nur im Nahverkehr werden derartige Qualifizierungsmaßnahmen für Geflüchtete angeboten: Die Deutsche Bahn startet im Juli 2020 ein ähnliches Projekt im Raum Stuttgart mit dem Ziel, neue Triebfahrzeugführer auszubilden. Die erste Gruppe der Teilnehmenden wurden ab November 2019 in einer insgesamt achtwöchigen Schulungsmaßnahme auf die Umschulung vorbereitet, eine weitere Gruppe wird im März anlaufen.