Der Fahrdienstleiter Job:

Navigatoren für die Schiene

Nur wenige Berufe der Bahn tragen so eine große Verantwortung für Menschenleben und Material wie die Fahrdienstleiter in ihrem Job. Sie fungieren als eine Art Navigator für Lokführerinnen und Lokführer, die “ihren” Streckenabschnitt durchqueren. Das Fahrpersonal muss sich vollständig auf ihre Fahrdienstleiter und -leiterinnen verlassen können, da sie sich mit hohen Geschwindigkeiten bewegen und an die vorgegebenen Schienenwege gebunden sind. Ein Anhalten oder Ausweichen ist im Falle eines Unglücks schlichtweg nicht möglich.

Während bei einer Fahrt im Auto oft nur auf die unmittelbaren Verkehrsteilehmer geachtet werden muss, ist die deutschland- und europaweite Koordination des Schienennetzes durch die Fahrdienstleiter und -leiterinnen unerlässlich. Darüber hinaus müssen bei Verspätungen, technischen Störungen oder anderen Faktoren Züge und die zuständigen Dienststellen frühzeitig informiert werden. So lassen sich Unfälle und lange Wartezeiten durch Umleitungen und andere Störungen vermeiden.

Regelmäßig werden die Berufe Lokführer und Fahrdienstleiter durcheinandergebracht, da sie in der fachlich korrekten Bezeichnung sehr ähnliche Jobtitel haben: Fahrdienstleiter ist die allgemeine Bezeichnung für „Eisenbahner im Betriebsdienst / Fachrichtung Fahrweg“, Triebfahrzeugführer bzw. Lokführer steht hingegen für „Eisenbahner im Betriebsdienst / Fachrichtung Lokführer und Transport“. Die Tätigkeiten und Verantwortungsbereiche der beiden Jobs sind klar voneinander abgegrenzt. Während ein Lokführer oder eine Lokführerin die Verantwortung für den „eigenen“ Zug und die zu transportierenden Passagiere bzw. Güter trägt, sind Fahrdienstleiterinnen und Fahrdienstleiter im Job für alle Züge im zugeteilten Bereich zuständig und verantwortlich.

Derzeit gibt es etwa 1.200 Fahrdienstleiterinnen und Fahrdienstleiter in der Bundesrepublik. Allgemein ist der Job, wie auch die Arbeitgeber, aber eher unbekannt: Die Arbeit findet, im Gegensatz zum Lokführer oder Schaffner, eher im Verborgenen statt. Demnach ziehen nur wenige Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit einer Ausbildung zum Fahrdienstleiter bzw. zur Fahrdienstleiterin und einen Einstieg in die Bahnbranche nach Abschluss der Schule in Betracht.

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Fahrdienstleiter/in
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Abschluss

Eisenbahner/in im Betriebsdienst
– Fachrichtung Fahrweg

Ausbildungsdauer

Perspektiven

Weiterbildung zum Fachwirt für den Bahnbetrieb

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Arbeitsort

Stellwerk oder Steuerbezirk in einer Betriebszentrale
eines Eisenbahninfrastrukturunternehmens

Was machen Fahrdienstleiter eigentlich genau?

Der Job eines Fahrdienstleiters bzw. einer Fahrdienstleiterin besteht vor allem aus der Gewährleistung der sicheren, pünktlichen und wirtschaftlichen Durchführung des Bahnbetriebs. Sie arbeiten an einem Schreibtisch vor einer Vielzahl an Bildschirmen, die ihnen die genauen Bewegungen der Züge in ihrem Verantwortungsbereich anzeigen. Einige dieser Bildschirme geben einen Überblick über die Bewegungen der Züge, während andere detaillierte Ausschnitte, z. B. von einem Bahnhof, anzeigen.

Die Fahrdienstleiter und -leiterinnen schalten Signale und sie kommunizieren mit den Lokführer/innen, wer zu welchem Zeitpunkt wo fahren darf. Sie stellen die entsprechenden Weichen für Zug- und Rangierfahrten und sorgen für eine ordnungsgemäße Abwicklung des Zug- und Rangierbetriebes. Zur Stellenbeschreibung des Fahrdienstleiter Jobs gehört auch, bei Störungen des regulären Betriebs eine schnelle Entscheidung über das weitere Vorgehen zu treffen. Sie können, unter Betrachtung der Fahrdienstvorschrift, eigenverantwortlich Zugfahrten zulassen oder ablehnen. Damit die einzelnen Schritte transparent gehalten werden, dokumentieren die Fahrdienstleiter und -leiterinnen jeden einzelnen davon sowohl digital als auch analog.

In seltenen Fällen werden Fahrdienstleiter auch vor Ort, z. B. an einem Bahnhof bei der Abfertigung der Züge, eingesetzt.

Die Tätigkeit der Fahrdienstleiter im Job lässt sich in verschiedene Gruppen und Verantwortungsbereiche unterteilen. Gleichzeitig hat sich der Job kontinuierlich an die Weiterentwicklung der Technologie angepasst, sodass einige dieser Berufe mittlerweile obsolet geworden sind und nicht mehr durch Arbeitgeber angeboten werden.

  • Zugleiter: Der Zugleitbetrieb wird ohne Hauptsignale oder Steckenblock-Einrichtungen an ausgewählten eingleisigen Nebenbahnstrecken, die bis max. 80 km/h befahren werden, durch die sog. Zugleiter praktiziert. Hier kommunzieren die Zugleiter mit dem Fahrpersonal der Züge und erteilen ihnen die Erlaubnis, bis zur nächsten Zuglaufstelle zu fahren.
  • Weichenwärter: Weichenwärter waren ursprunglich für die mechanische Bedienung der Weichen zuständig und hatten die Berechtigung, Rangierfahrten auf Nebengleisen eigenständig durchzuführen. Für Haupgleise benötigten sie die Zustimmung des zuständigen Fahrdienstleiters. Da die Weichenstellung  mittlerweile viel in Stellwerken zentralisiert ist, geht auch die Anzahl der Weichenwärter bei der Bahn immer weiter zurück. Mittlerweile sind sie vor allem in größeren Stellwerken zur Unterstützung der Fahrdienstleiter zu finden.
  • Blockwärter: Vor der Fernsteuerung einzelner Blocksignale waren Blockwärter für die Zugfolge an einer Blockstelle, d. h. vor Ort an einem Gleis, zuständig.
  • Örtlich zuständiger Fahrdienstleiter (kurz: özF): Eine Berufsbezeichnung der DB Netz AG. Hier werden Fahrdienstleiter, die einen bestimmten Stellbereich überwachen, als örtlich zuständige Fahrdienstleiter bezeichnet.

Wie für viele verantwortungsvolle Berufe bei der Bahn verlangen die Arbeitgeber von ihren Mitarbeitern einen Nachweis ihrer physischen und psychologischen Eignung. Darüber hinaus sind Eigenschaften wie Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit und absolute Sorgfalt unerlässlich für den Fahrdienstleiter Job.

Eine Bereitschaft zum Schichtdienst und zur Arbeit am Wochenende ist bei einem großen Teil der Stellenangebote ebenfalls als Bedingung angegeben.

Stellenangebote für Fahrdienstleiter

Stellenangebote finden Fahrdienstleiter und -leiterinnen in Stellwerken, Fernsteuerzentralen und Betriebsstellen von Eisenbahninfrastrukturunternehmen. Dazu gehört der Regional- und Fernverkehr ebenso wie der öffentliche Personennahverkehr mit Straßenbahnen, S- und U-Bahnen. Da viele der Betriebe, wie auch die Züge, rund um die Uhr im Einsatz sind, findet die Tätigkeit im Schichtdienst statt.

Gleichzeitig wird der Job vom Arbeitgeber sowohl in Vollzeit wie auch in Teilzeit angeboten, um den Mitarbeitern eine bessere Vereinbarung von Job und Familie zu ermöglichen.

Fahrdienstleiter sind allgemein, neben Triebfahrzeugführer/innen, eine der gesuchtesten Berufsgruppe in der Bahnbranche, im Fernverkehr wie auch im Regional- und öffentlichen Nahverkehr. Die Aussicht auf einen sicheren und gut bezahlten Arbeitsplatz in Teil- oder Vollzeit sind demach auch für Quereinsteiger gut.

Berufserfahrung und Weiterbildung:
Karriere im Fahrdienstleiter Job

Der übliche Einstieg in den Fahrdienstleiter Job ist die dreijährige Ausbildung zum „Eisenbahner im Betriebsdienst / Fachrichtung Fahrweg“, ein Quereinstieg in die Tätigkeit ist aber auch möglich. Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung als Quereinsteiger ist eine abgeschlossene Berufsausbildung und eventuelle Berufserfahrung in einem technischen Bahnberuf, wie z. B. als Disponent/in, Mechatroniker/in oder Anlagenmechaniker/in.

Mit mehreren Jahren Berufserfahrung und Interesse an einer Karriere als Fahrdienstleiter oder -leiterin bieten sich verschiedene Möglichkeiten zur Weiterbildung und zum beruflichen Aufstieg. Die Weiterbildung “Fachwirt/in für Bahnbetrieb” der IHK ist eine Option, das eigene Fachwissen weiterzuentwickeln und sich für eine Beförderung, wie z. B. als Bezirksleitung, Trassenkonstrukteur/in oder Disponent/in  zu qualifizieren.

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