(Berlin, 10. September 2026) Der Zug steht im Abstellbereich. Noch ist kein Fahrgast an Bord. Trotzdem passiert bereits eine ganze Menge: Systeme werden hochgefahren, Funktionen geprüft, der Zug wird für seinen nächsten Einsatz vorbereitet. Normalerweise gehören viele dieser Schritte zum Arbeitsalltag von Menschen. Im Forschungsprojekt AutomatedTrain übernimmt nun ein Teil davon die Technik selbst.
Am 8. September wurde auf dem Gelände der Havelländischen Eisenbahn in Berlin demonstriert, dass ein Zug eine vollautomatisierte, fahrerlose Fahrt technisch bewältigen kann. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert die Entwicklung intelligenter Technologien für solche Fahrten mit rund 41,5 Millionen Euro.
Zur Meldung: Bundeswirtschaftsministerium: Fahrerlose Zugfahrt im Projekt AutomatedTrain
Das klingt nach Science Fiction, ist aber vor allem ein ziemlich konkreter Blick in die nächste Entwicklungsstufe des Bahnbetriebs. Und natürlich drängt sich sofort eine Frage auf: Was bedeutet das für die Menschen, die heute Züge fahren, warten, prüfen und steuern?
Fahrerlos heißt noch lange nicht menschenlos
Zunächst einmal lohnt sich ein genauer Blick auf das, was AutomatedTrain tatsächlich erprobt. Es geht nicht darum, dass morgen ICE, Regionalbahn und S Bahn flächendeckend ohne Lokführer durch Deutschland fahren. Im Mittelpunkt stehen vollautomatisierte Bereitstellungs und Abstellfahrten sowie das automatische Auf und Abrüsten von Zügen.
Ein Siemens Mireo soll dabei selbstständig vom Abstellbereich bis zur ersten Station fahren können. Sensoren erfassen die Umgebung. Taucht ein Hindernis im Gleis auf, kann das Fahrzeug reagieren und selbstständig abbremsen. Ein zweites Testfahrzeug auf Basis einer S Bahn der Baureihe 430 sammelt im Stuttgarter Netz Daten für die Hinderniserkennung. Dort bleibt der Triebfahrzeugführer weiterhin verantwortlich.
Mehr zum Projekt: AutomatedTrain bei Digitale Schiene Deutschland
Und was wird jetzt aus dem Lokführer?
Genau hier wird es für Bahnberufe interessant. Automatisierung bedeutet nicht automatisch, dass ein Beruf verschwindet. Sie kann aber Aufgaben verschieben. Zeitintensive Vorbereitungsfahrten und wiederkehrende Abläufe lassen sich künftig womöglich stärker automatisieren. Gleichzeitig bleiben Verantwortung, komplexe Betriebssituationen und der reguläre Fahrbetrieb Themen, bei denen qualifizierte Fachkräfte eine zentrale Rolle spielen.
Wer wissen möchte, was Triebfahrzeugführer heute leisten, findet bei schienenjobs.de einen ausführlichen Überblick zum Berufsbild.
Zum Beruf Lokführer:in auf schienenjobs.de
Der Zug bekommt Augen und Ohren
Besonders spannend ist die Technik hinter dem automatisierten Fahren. Damit ein Zug ohne Person im Führerstand auf ein Hindernis reagieren kann, muss er seine Umgebung zuverlässig erfassen. Sensorik, Software und Fahrzeugtechnik werden deshalb zu einem eng verzahnten Gesamtsystem.
Damit rücken Berufe in den Vordergrund, die viele beim Stichwort Bahn vielleicht nicht zuerst im Kopf haben:
- Softwareentwicklerinnen und Softwareentwickler entwickeln und integrieren die Programme, die Sensordaten verarbeiten und Entscheidungen vorbereiten.
- Ingenieurinnen und Ingenieure bringen Fahrzeugtechnik, Automatisierung, Sicherheit und Systemarchitektur zusammen.
- Mechatronikerinnen und Mechatroniker sorgen dafür, dass Mechanik, Elektronik und Steuerungstechnik im Fahrzeug zuverlässig zusammenspielen.
Softwareentwickler:in auf schienenjobs.de | Mechatroniker:in auf schienenjobs.de | Ingenieurberufe bei Bahn und Schiene
Automatisierung macht aus Bahn noch mehr Hightech
Das Projekt zeigt ziemlich anschaulich, wie sehr klassische Eisenbahntechnik und digitale Technologien inzwischen zusammenwachsen. Ein moderner Zug ist eben nicht nur Motor, Bremse und Fahrwerk. Er ist auch ein rollendes Computersystem mit Sensoren, Software, Datenverarbeitung und Sicherheitslogik.
Für den Arbeitsmarkt ist das eine interessante Entwicklung. Klassische Bahnkompetenz bleibt wichtig, gleichzeitig kommen Fähigkeiten aus Informatik, Automatisierung und Datenverarbeitung hinzu. Die Bahn der Zukunft braucht deshalb nicht weniger Know how, sondern in vielen Bereichen anderes und zusätzliches Know how.
Vom Forschungsprojekt in die echte Bahnwelt
AutomatedTrain läuft seit 2023 und soll 2026 abgeschlossen werden. An dem Projekt arbeiten unter anderem DB InfraGO, DB Regio, Siemens Mobility, Bosch Engineering, Codewerk, duagon, IAV, Red Hat und die Technische Universität Dresden zusammen. Die Ergebnisse werden im September auf der InnoTrans 2026 in Berlin vorgestellt.
Damit ist die fahrerlose Zugfahrt noch kein neuer Alltag auf Deutschlands Schienen. Aber sie ist deutlich mehr als eine Zukunftsvision auf dem Papier. Die Technik fährt bereits. Jetzt wird spannend, welche Aufgaben sie künftig übernehmen kann und wie sich die Berufe rund um den Zug mit ihr weiterentwickeln.
Lust auf einen Job zwischen Eisenbahn und Hightech?
Ob im Führerstand, in der Werkstatt, im Ingenieurbüro oder vor dem Bildschirm: Neue Technologien erweitern die Berufswelt der Schiene. Wer Technik mag, findet hier längst weit mehr als die klassischen Eisenbahnberufe.
