Drei Antriebe für eine Leitung: Wie neue Spezialfahrzeuge die Oberleitung fit halten

Instandhaltungsfahrzeuge für Oberleitungen

Sie hängt ein paar Meter über den Köpfen der Reisenden und gehört trotzdem zu den wichtigsten Arbeitsplätzen im elektrifizierten Bahnverkehr: die Oberleitung.

Damit Züge zuverlässig mit Strom versorgt werden, muss sie regelmäßig kontrolliert, gewartet und bei Bedarf repariert werden. Dafür braucht es nicht nur Fachkräfte mit ziemlich speziellen Kenntnissen, sondern auch Fahrzeuge, die sie sicher an ihren Arbeitsplatz bringen.

Genau diese Fahrzeuge bekommen jetzt ein technisches Update. Die GBM Gleisbaumechanik Brandenburg/H. GmbH wird für die Deutsche Bahn zunächst 23 moderne Instandhaltungsfahrzeuge für Oberleitungen, kurz IFO, fertigen. Die ersten Fahrzeuge sollen bereits Ende 2026 für die Erprobung ausgeliefert werden.

Zur Meldung der GBM Gleisbaumechanik

Ein Fahrzeug, drei Möglichkeiten

Technisch haben die neuen Fahrzeuge einiges zu bieten. Besonders interessant ist ihr Hybridantrieb.

Die IFO können wahlweise elektrisch über die Oberleitung, mit Diesel oder mit Batterien betrieben werden. Das macht sie flexibel für sehr unterschiedliche Einsätze.

Und Flexibilität ist bei der Oberleitungsinstandhaltung ziemlich wichtig. Schließlich besteht die Arbeit nicht nur darin, unter einer intakten und eingeschalteten Fahrleitung von A nach B zu fahren. Die Fahrzeuge müssen auch dort eingesetzt werden können, wo an der Stromversorgung selbst gearbeitet wird.

Für die Deutsche Bahn sind die neuen Fahrzeuge deshalb ein Baustein bei der Modernisierung ihrer Instandhaltungsflotte.

Oberleitungsmontage, ein Arbeitsplatz für Schwindelfreie

Die Technik des Fahrzeugs ist allerdings nur die eine Seite. Interessant wird es für die Menschen, die mit dieser Technik arbeiten.

Oberleitungsmonteurinnen und Oberleitungsmonteure sorgen dafür, dass elektrische Züge zuverlässig mit Energie versorgt werden können. Sie kontrollieren Fahrleitungen und ihre Komponenten, führen Wartungsarbeiten durch und tauschen beschädigte oder verschlissene Teile aus.

Dabei geht es um weit mehr als einen Draht über dem Gleis. Zur Oberleitungsanlage gehören unter anderem Fahrdrähte, Tragseile, Ausleger, Isolatoren und zahlreiche weitere Bauteile. Alles muss korrekt eingestellt sein und zuverlässig funktionieren.

Wer hier arbeitet, verbindet handwerkliches Können mit elektrotechnischem Wissen und sollte außerdem schwindelfrei sein. Ein gewöhnlicher Büroarbeitsplatz sieht definitiv anders aus.

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Wenn das Arbeitsfahrzeug selbst zum Hightech Produkt wird

Auch die neuen IFO entstehen natürlich nicht von allein. Spezialfahrzeuge für die Schieneninstandhaltung sind komplexe technische Systeme. Fahrzeugbau, Elektrotechnik, Mechanik, Steuerungstechnik und Antriebstechnik müssen zusammenspielen.

Entsprechend vielfältig sind die Berufe hinter ihrer Entwicklung, Fertigung und späteren Wartung.

Mechatronikerinnen und Mechatroniker arbeiten an mechanischen und elektronischen Komponenten. Elektronikerinnen und Elektroniker kümmern sich um elektrische Systeme und Steuerungen. Ingenieurinnen und Ingenieure entwickeln technische Lösungen, begleiten Fertigung und Erprobung und sorgen dafür, dass aus einzelnen Komponenten am Ende ein einsatzfähiges Schienenfahrzeug wird.

Dazu kommen Fachkräfte für Instandhaltung, Fahrzeugtechnik, Qualitätssicherung und Produktion.

So steckt hinter einem Fahrzeug, das später die Oberleitung wartet, selbst eine ziemlich lange Kette unterschiedlicher Bahn Jobs.

Erfahrung trifft neue Technik

Ganz neu ist das Thema für die GBM nicht. Das Unternehmen war bereits an der Endmontage der Fahrzeuge beteiligt und übernimmt nun die weitere Umsetzung sowie die Serienfertigung. Nach Angaben des Unternehmens soll die Serienmontage bereits im Oktober 2026 wieder anlaufen.

Auch Spezialfahrzeuge für die Oberleitung haben am Standort Tradition. GBM verweist unter anderem auf die früher gefertigten Baureihen 711.1 und 703.1.

Jetzt kommt mit den neuen IFO eine Generation hinzu, bei der moderne Antriebstechnik und die Anforderungen der heutigen Infrastruktur zusammenkommen.

Ohne Oberleitung kein elektrischer Zugverkehr

Oberleitungen gehören zu den Teilen der Bahninfrastruktur, die Reisende meistens erst dann bemerken, wenn etwas nicht funktioniert.

Dabei sind sie für den elektrischen Bahnverkehr unverzichtbar. Und je stärker das Schienennetz genutzt wird, desto wichtiger werden zuverlässige Wartung und schnelle Instandhaltung.

Die 23 neuen Fahrzeuge sollen genau dabei helfen. Doch auch das modernste Instandhaltungsfahrzeug repariert eine Oberleitung nicht von selbst.

Es braucht Menschen, die wissen, wo sie hinschauen müssen, wie die Technik funktioniert und was zu tun ist, wenn einige Meter über dem Gleis etwas nicht stimmt.

Und vielleicht ist genau das das Spannende an diesem Projekt: Zukunftstechnologie bei der Bahn findet nicht nur im Führerstand, im Rechenzentrum oder im digitalen Stellwerk statt.

Manchmal fährt sie auch nachts hinaus auf die Strecke, hebt eine Arbeitsbühne nach oben und sorgt dafür, dass am nächsten Morgen wieder Strom fließt.

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Foto: GBM Gleisbaumechanik Brandenburg/Havel GmbH

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